Alles ist für etwas

Puerto Williams, Feuerland, Chile: Dem Wetter ist es zu verdanken, dass wir zum chilenischen Nationalfeiertag am 18.September noch im Land sind. Die Unabhängigkeit von Spanien wird an diesem Tag gefeiert, denn am 18.September 1810 wurde die erste Junta de Gobierno, also eine unabhängige Regierung, berufen. Gefeiert wird allerdings schon Tage vorher und wenn wir schon mal da sind, feiern wir natürlich mit.

Schon seit Anfang September wurden Geschäfte, Büros und Autos in den Nationalfarben blau, weiß und rot geschmückt. Die offiziellen Feiertage sind Montag und Dienstag, aber gefeiert wird natürlich schon am Wochenende davor. Alle Arbeitnehmer bekommen, ähnlich wie in anderen Ländern das Weihnachtsgeld, einen Bonus und es gibt wohl kaum einen Chilenen, der in diesen Tagen nicht zu Familie oder Freunden reist und die Tage Wein trinkend und Empanadas essend verbringt. Natürlich darf auch ein Asado, also ein anständiges Grillfest, nicht fehlen und es wird getanzt. Cueca heißt der Tanz, den einfach jede/r kann.

Hier am Ende der Welt ist das ganze Dorf auf den Beinen. Samstagabend findet die offizielle Eröffnung der Festlichkeiten in der Turnhalle statt. Vom Bürgermeister über die kleinsten Kinder bis zu den höchsten Marine-Vertretern sind alle vertreten. Ein paar Reden, dann beginnen die typischen Tänze. In prachtvollen Kostümen wird getanzt. Rundherum sind Buden aufgebaut, in denen es typisches Essen und Spiele für die Kinder gibt. Ein bisschen ist das eine Mischung aus Volksfest und Kirmes, alles kleiner, improvisierter, aber mit so vielen Menschen in Feierlaune ein tolles Ereignis.

Sonntag sind wir zum Grillen bei Anibal, dem Bäcker des Dorfes, und seiner Familie auf dem „campo“, einem wilden Grundstück ein paar Kilometer außerhalb des Dorfes, eingeladen. Anibals Schwiegervater Fernando ist der Schreiner des Dorfes. Er holt uns zusammen mit seiner Frau Patricia ab und schon der Weg wird ein Abenteuer. Stellenweise liegt noch etwas Schnee, an den meisten Stellen ist er inzwischen geschmolzen,so dass sich auf dem Weg, der nicht mehr als ein Feldweg ist, ordentliche Pfützen gebildet haben. Fernando lenkt das Auto geschickt durch Schlamm und Matsch.

Wir verbringen einen tollen Tag auf dem Land. Es gibt eine einfache Hütte auf dem Grundstück, keinen Strom, kein fließend Wasser, keine Toilette. Natur pur – und Erholung pur. Alle zusammen sammeln wir im Wald Holz für das Feuer, dann werden riesige Fleischmengen gegrillt. Musik darf natürlich nicht fehlen und so schließt Anibal seinen Laptop über die Autobatterie an – so unkompliziert kann es gehen. Als wir abends zurückfahren, sitzen wir zweimal ordentlich im Schlamm fest. Mit Schippen und Steinen kommen wir wieder frei – Abenteuer pur.

Heute dann, am offiziellen Feiertag, gibt es einen acto, eine ganz offizielle Feier in der Turnhalle der Marine, auch die lassen wir uns nicht entgehen und ab mittags feiern wir wieder – in der Segelschule mit allen Mitarbeiter/innen und ihren Familien. Nach Empanadas, Wein und einem leckeren Asado wird gespielt und getanzt. Valdo hat seit Jahren nicht mehr Cueca getanzt, ich konnte es noch nie so richtig – aber am Ende des Tages sind wir beide Profis darin.

Morgen ist noch ein Feiertag, aber wir hatten genug Wein, Empanadas, Fleisch, Tanz und Feiern. Morgen ist nämlich endlich das Wetter passend – auf nach Argentinien!

1 Kommentar
  1. Guten Morgen,
    das hört sich gut an….und ihr kommt ja aus den feiern garnicht mehr raus….:-)
    wir hatten heute morgen auch darüber gesprochen, das es bei uns schon lange keine empanadas mehr gab. 🙂
    ich wünsche euch eine gute fahrt…..
    Es gibt keinen günstigen Wind für den, der nicht weiß, in welche Richtung er segeln will.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.