Theo wird 9

Im Beagle-Kanal, Feuerland, Chile: Theo hat Geburtstag. Er braucht und will keine riesige Party, aber etwas Besonderes darf es schon sein. So gehen wir für ein paar Tage auf Geburtstagstörn und schenken Theo etwas ebenso Kostbares wie Banales: Zeit. Wie meistens bläst es aus West, wir segeln also im Beagle-Kanal nach Osten. Ein paar Magellan-Pinguine tauchen immer wieder vor dem Bug auf. Gegen Mittag besuchen wir eine Seelöwen- und Kormorankolonie und ankern am frühen Nachmittag in einer kleinen Bucht auf der Insel Navarino. Ein paar wilde Schweine gucken uns vom Strand aus beim Ankermanöver zu. Zwei Dampfschiff-Enten räumen etwas empört das Feld, ansonsten hören wir außer unseren eigenen Stimmen nichts. Wir verbringen ein paar Natur-Tage in der Einsamkeit Feuerlands und tun all das, was den Kindern – und auch uns – Spaß macht:

Wanderungen durchs Unterholz, Feuermachen am Strand, Wettfahrten selbstgebauter Boote und abends stundenlang Gesellschaftsspiele im Decksalon. Wir haben Zeit, Familienzeit. Keine großen Geschenke, kein Internet, Mama und Papa sitzen nicht am Computer und basteln auch nicht an der Polarwind herum. Schule machen wir auch nicht. Ein Geschenk gibt es natürlich doch: ein neues Taschenmesser, das sogleich im Dauereinsatz ist. Es sind herrliche Tage für uns alle vier, weg von jeglicher Zivilisation, einfach nur Natur. Der Frühling ist im Anmarsch und mittags haben wir zumindest für ein Stündchen mal keine dicken Winterjacken mehr an.

Das größte Geschenk macht allerdings Theo uns, als wir Anker auf gehen und zurück nach Puerto Williams segeln. Er sitzt im Cockpit, beobachtet Wellen und Wind und sagt plötzlich: „Wenn ich mich jetzt entscheiden müsste, dann würde ich nicht zurück nach Deutschland wollen, sondern auf jeden Fall auf der Polarwind bleiben!“

Da bekomme ich ja doch ein bisschen Tränen in den Augen und Valdo nimmt Theo spontan ganz fest in den Arm. Geburtstage können ja auch brenzlig sein, was Freunde-Vermissen etc. angeht. Darüber haben wir neulich mit den Eltern von Julien, Theos französischem Segel-Freund, gesprochen, der im November zehn wird. Seine Eltern denken ähnlich wie wir. Die Entscheidung auf Langfahrt zu gehen, haben wir getroffen – die Erwachsenen. Wir können nur hoffen, dass unsere Kinder dieses Leben genauso schätzen, wie wir es tun. Je älter sie werden, desto schwieriger wird das in der Regel. Bisher scheint aber alles paletti zu sein!

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